Friedenshöhe - Aussichts- und Klimaturm

 

Vortrag von Friedrich Unland zum 50. Jubiläum des Wiehengebirgsverbandes 1958
Bericht über den Beginn des Verschönerungsvereins Buer
Am 30. September 1883 fand die Gründungsversammlung statt, die durch öffentlichen Anschlag in der Gemeinde bekannt gemacht worden war. Der Aufruf war unterzeichnet von:
Superintendent Lauenstein, Pastor Eike, Postverwalter Ulrici, Küster Schmidt, Apotheker Dr. Struck, Kantor Determann, Gesamtvorsteher Hölscher und Fabrikant Fr. Kamping. 

In dem Aufruf wurde hervorgehoben, dass der Verein dem Allgemeinen dienen wolle. Er wolle angenehme, Herz und Augen erfreuende und jedermann zugängliche Orte erschließen und die Freude an Gottes schöner Natur wecken und nähren.  Deshalb dürfe er sich auch der Hoffnung hingeben, dass selbst Nichtmitglieder in richtiger Würdigung seiner Bestrebungen, sich der Schonung und Erhaltung der zu schaffenden Anlagen hingeben würden.
Am 30. September fand dann die gutbesuchte Gründungsversammlung statt auf der dem Verein zahlreiche Mitglieder beitraten. Man ging gleich daran, eine Satzung aufzustellen, die in 7 Paragraphen die Ziele und Aufgaben des Vereins festlegten und ebenso die finanziellen Angelegenheiten regelten.
Gleich in der ersten Versammlung wurde auch beschlossen, auf dem Stuckenberg, der höchsten Erhebung bei Buer, ein Aussichtsgerüst zu errichten, um unsere herrlichen Aussichtspunkte aufzuschließen, Wege dahin anzulegen, durch Weiser auch dem Fremden beim Auffinden der Punkte behilflich zu sein und Ruheplätze anzulegen.
In mehreren Versammlungen des folgenden Winters wurden die Planungen zu dem Turmbauvorangetrieben. Apotheker Struck spendete aus seinen Wäldern das erforderliche Holz und dazu schoss er das Geld vor. Zugleich wandte man sich an wohlhabende aus Buer ausgewanderte Bürger in Amerika, um Unterstützung, die nicht ausblieb.
Im Frühjahr 1884 wurde der Turmbau an Tischler Hesse vergeben. Eine Zeichnung brauchte man nicht. Der Turm sollte 12 Fuß im Quadrat und 40 Fuß hoch sein ohne das Dach. Es heißt: „Eine Bauzeichnung liegt dem Vertrag mit Hesse nicht vor, das kann er so. Es wird außer Gefälligkeit des Baues, kunstgerechte Verzimmerung, Stabilität und Dauerhaftigkeit bedungen.“ Der Bau durfte 255 Mark nicht übersteigen.
Anfang Mai sollte der Turm fertig sein. In ausführlichen Beratungen sann man über die Benennung des Turmes nach, bis man schließlich die ganze Höhe mit dem Turm „Friedenshöhe“ nannte.

In einem Bericht vom 28. April 1884 heißt es dann: „In Erwägung, dass die ganze Höhe, auf welcher man den turmartigen Holzbau aufführen will, nicht bekannt ist, will man der ganzen Anlage den Namen „Friedenshöhe“ beilegen, denn es fallen alle Anlagen ins Gewicht. Der Name selbst wäre durch die Wiederkehr des Jahrestages des Frankfurter Friedens im Jahre 1871 gegeben und solle der Tag selbst der 10. Mai zur Einweihung und Übergabe an das Publikum dienen.“
So ist es denn auch gekommen. In epischer Breite werden die Einweihungsfeierlichkeiten beschrieben, Lehrer Bierhake aus Markendorf lieferte die Fahne für den Turm, und Pastor Eike hielt die Festrede.  
Da der Turm sehr viel von Wanderern aufgesucht wurde, beschloss man im Jahr 1886 neben dem Turm eine Schutzhütte zu bauen. Es heißt wörtlich:“ Die Mittel zu solcher Verwendung wurden durch Herrn Dr. Struck vermittelst seiner Schwiegermutter und Reklamierung an den Heimatsinn der Amerikaner, welche von Buer und Umgegend dortselbst weilen, in Aussicht genommen.“ Die Bitte hatte Erfolg, die Schwiegermutter schickte eine Spende von 405 Mark.
Der Bau der Schutzhütte ergab infolge des unwegsamen Geländes Schwierigkeiten. Das Material konnte nicht regelmäßig angeliefert werden, die Handwerker mussten oft warten. Aufschluss gibt darüber eine Rechnung, sie lautet:
„Mit 3 Mann 2 Stunden am Brink gelegen, auf Sand gelauert und nicht gemauert. Macht einen Thaler fufzig.“
1886 fand hier in der Gegend ein großes Herbstmanöver statt. Diese Gelegenheit nutzte man. Der Turm wurde für Schaulustige vermietet, und man erhielt Geld für den Unterhalt.
40 Jahre hat der Turm Wind und Wetter überstanden, dann war er morsch. Im Jahre 1923 wurde er von Auktionator Meyer meistbietend versteigert und von dem Händler Krämer aus Melle zum Preis von 8 Millionen Reichsmark auf Abbruch erworben. Danach verfiel auch die Schutzhütte zusehends.



Es vergingen einige Jahrzehnte, bis anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Burton-Werke ein neuer Aussichtsturm geplant werden konnte. Durch die Unterstützung des damaligen Firmeninhabers Karl-Friedrich Hensiek, ortsansässiger Firmen und der Britischen Rheinarmee, deren Royal Air Force die vorgefertigten Bauteile zum Standort einflog, konnte im Jahr 1988 der neue Turm eingeweiht werden. Er hat eine Höhe von 28,6 Metern, die Plattform ist über 10 Holzwangentreppen mit insgesamt 140 Stufen zu erreichen.
Im Herbst 2012 erfolgte die Sperrung des Turmes aufgrund nicht mehr zu gewährleistender Standfestigkeit. Ein Abriss erschien unausweichlich.  Um dies zu verhindern, gründeten Bueraner Bürger eine Initiative zur Rettung des Turmes. Es folgte eine Unterschriftenaktion, in der die Unterzeichnenden ihren Willen zum Erhalt des Turmes zum Ausdruck brachten. Die Aktion zeigte Wirkung, der Verwaltungsausschuss beschloss die Sanierung des Friedenshöheturmes.
Um einen finanziellen Beitrag zu leisten, begann die Initiative mit der Vergabe von Treppenstufen und Podesten in Form von Patenschaften. Im Frühjahr 2013 erfolgte der „Verkauf“ der letzten Stufe.      
Im Jahr 2014 wurden die mächtigen, rund 25 Meter hohen Stützen ausgetauscht  und die Wiedereröffnung des Turmes gefeiert.
Etwa zeitgleichbegann das Umweltbüro Melle, ein Konzept  für den Ausbau des Turmes als Umwelt- und Lernstandort zu erarbeiten. Durch finanzielle Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Stiftung der Sparkassen im Osnabrücker Land konnte 2015 der Lernstandort "Klimaturm Melle-Buer" mit einem bunten Familienfest eröffnet werden. Am sanierten Aussichtsturm ist ein Lernstandort geschaffen worden, der Bewusstsein für den Klimaschutz schafft und die Besucher informiert, motiviert und aktiviert. Durch konkrete Handlungsoptionen und Beispiele findet jeder Besucher Anregungen, wie er selber im Alltag für den Klimaschutz aktiv werden kann.